Bulgarien und Griechenland

von Manuel Waßenberg

Heute melden wir uns von der türkischen Schwarzmeerküste aus Çakraz zurück. Nach derzeitiger Planung werden wir in den naechsten fünfzehn Tagen entlang der ausgesprochen gebirgigen Küstenlinie nach Tiflis radeln. Bis dahin sind es noch ca. 1400 km. Die letzten Tage waren gepraegt von steilen Aufstiegen und rasanten Abfahrten. Leider müssen wir haeufig kraeftig in die Eisen gehen, was sich merkbar auf unsere Durchschnittsgeschwindigkeit auswirkt. Für die anstrengende Route werden wir jedoch mit tollen Aussichten auf das grüne Landesinnere, wie auf schroffe Klippen und Straende belohnt. Auch sind die küstennahen Strassen bisher kaum befahren - herrlich.

Aufgrund unserer Erkaeltung blieben wir drei Naechte in Sofia. Da wir fast nur im Bett lagen, haben wir nicht allzuviel von der Stadt gesehen. Was wir jedoch beim Ein- und Ausfahren mitbekamen, war bedrückend: Plattenbauten, verwahrloste Gaerten, Müll, kaputte Strassen und Staub praegten das Bild der Stadt. Nur das Regierungsviertel hat einen vorzeigewürdigen Charakter.

Unsere Erwartungen an den Rest Bulgariens waren dementsprechend tief. Auf unserer fast 400 km langen Etappe war vieles haesslich, grau und trist. Dabei ist das Land ansich mit seinen weiten grünen Taelern im Gegensatz zu Ungarn durchaus brauchbar. Komplettiert wurde das Bild von den ersten (bisher glimpflich ausgegangenen) Hundeverfolgungsjagden. Mittlerweile haben wir uns Pfefferspray besorgt, um zukünftig in unseren Waden verbissene Hunde zu loesen. Positiv in Bulgarien waren auf jeden Fall die Preise: Eine ordentliche türk. Pizza (Djuner) mit Fleisch kostete nur 1,50 €.

Besonders die Ausfahrt aus Sofia wurde zum Erlebnis: Um einen ca. 5 km langen Autobahnabschnitt zu umgehen, fuhren wir über einen etwa 2 km parallel verlaufenden Weg, der spaeter zu einer Schlammpiste par excellance wurde. Unsere Laufraeder blockierten mehrmals. Mit Stoecken und Pfützenwasser konnten wir diese immer nur für wenige Meter von Schlammbrocken befreien. Schliesslich schoben wir die Raeder etwa einen Kilometer über die Bahnschienen und fuhren dann doch ein Stück über die Autobahn.

Motiviert von diesem Erlebnis und der Schoenheit Bulgariens radelten wir innerhalb eines Tages von Plovdiv bis in das griechische Ormenio direkt hinter der Grenze. Die Freude bei Souflaki , Tzatziki und Bier in einer Taverne zu sitzen, war uns wohl ins Gesicht geschrieben.

Nach dem Essen trafen wir auf den bei Stuttgart aufgewachsenen orthodoxen Priester Triandáfilos, von dem wir Abends noch eine dringend benoetigte heisse Dusche bekamen. Auch konnten wir mitten im Dorf auf dem Gelaende der ehemaligen Kirche zelten. Ormenio und seine überwiegend deutschsprachigen Einwohner werden wir so schnell nicht vergessen. Danke!

Von Ormenio radelten wir ins etwa 25 km entfernte Kastanies, um dort die schwerbewachte (Sinn ?) griechisch-türkische Grenze zu überqueren. Aufgrund der Militaerpraesenz durften wir trotz Hundeblick kein Foto an der Grenze schiessen.

Von Edirne bis nach İstanbul waren es nur noch 230 km. Etwa 50 km vor İstanbul wurde die D100 richtig voll und hatte zeitweise 12 Fahrspuren. Sich neben LKW, Bussen und Autos in die Innenstadt zu kaempfen ist wirlich ein Erlebnis.

Zu İstanbul und Weiterem melden wir uns spaeter.

Pavel und Manuel

Fahrtenbuch

Datum Route Strecke (Tag) [km] Strecke (gesamt) [km]
26.04 Sofia - Vakarel 51,5 2374,4
27.04 Vakarel - Plovdiv 131,5 2647,5
28.04 Plovdiv - Ormenio 141,6  2647,5
29.04 Ormenio - Havsa 67,9 2715,4

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Kommentar von Rüdiger |

Hallo,

wirklich schöne und detaillierte Berichte. Ich bin voller Bewunderung, was Ihr da bis jetzt geschafft habt.
Freue mich auf die nächsten Berichte.
Wünsche Euch weiterhin eine tolle Fahrt und einen Schutzengel, der ein Auge auf Euch hat. Rüdiger

Kommentar von Patrick |

Go Manu!!
Werde übermorgen mal wieder über Eure Köpfe hinweg fliegen und dann nett aus dem Fenster winken. Viel Spaß noch und bis bald!!

Kommentar von ursula wassenberg |

Lese mit grosser Begeisterung deine interessanten, gut formulierten Berichte, Manuel, und warte auf die naechsten. Euch weiterhin eine gute Fahrt mit vielen guten Erfahrungen. Bis bald. Jiasas kai kalo taxidi.....

Antwort von Manuel Waßenberg

Danke! Allerdings haben wir bisher immer zusammen geschrieben :-)

Manuel

Kommentar von Thomas Wibbels |

all the very best for the two heroes from Lintorf.

Alles Gute für die nächste Etappe
LG Thomas W.