Kroatien und Serbien

von Manuel Waßenberg

Nach ca. 2300 gefahrenen Kilometern gibt's nun nochmal einen Bericht aus Sofia, Bulgarien. Das nächste Update gibt es dann hoffentlich aus dem ca. 600 km entfernten Istanbul - dem ersten richtigen Meilenstein auf dieser Tour.

Seit der kroatischen Grenze lässt das Wetter sehr zu wünschen übrig: jeden Tag Gegenwind, teilweise gepaart mit Regen. Besonders in der Kombination ein Vorbote der Hölle.

Auf dem Weg in das kroatische Osijek war das Wetter so katastrophal, dass wir uns total durchnässt für eine Nacht in Osijek einquartieren mussten. An ein Weiterfahren war nicht zu denken. Im Nachhinein war dieser ungeplante Zwischenhalt jedoch eine glückliche Fügung, da Osijek wirklich ein nettes und quirliges Städtchen ist, welches wir sonst in dem Maße nicht kennengelernt hätten.

Von Osijek fuhren wir am nächsten Tag entlang der Donau bis zum östlichsten Zipfel Kroatiens, um in Ilok die kroatisch/serbische Grenze nach Bačka Palanka zu überqueren. Auf dem Weg dorthin waren auf kroatischer Seite die Spuren des Krieges nicht zu übersehen: zerstörte Häuser und noch nicht verputze Einschusslöcher. Kein schönes Bild.

Nach dem Überqueren der Donau waren wir also in Serbien - und um ehrlich zu sein - mit eher gemischten Gefühlen. Zum einen waren wir neugierig auf dieses Land, zum anderen hat Serbien keinen besonders guten Ruf im Westen. In den nächsten fünf Tagen sollten wir eines Besseren belehrt werden.

In Novi Sad - der zweitgrößten Stadt des Landes - hielten wir kurz nach Aufbruch an einem Fahrradgeschäft um neues Kettenöl zu kaufen. Nachdem wir Aleksandar, dem Besitzer des Ladens Ziel und Route erklärten, machte er prompt Feierabend. Eine Stunde später saßen wir in einer Spilunke bei Bier und Schnaps mit ihm und anderen Fahrrad-Enthusiasten. Alle Nettigkeiten von Aleksandar und Co. aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Solch eine Gastfreundschaft hatten wir bis dato noch nicht erlebt. Als Geschenk und Wegproviant gab's noch einen Liter Selbstgebrannten.

Nach dem zweiten Bier mussten wir uns schließlich losreißen, da wir noch 100 km bis Belgrad vor uns hatten.

Auf dem Weg nach Belgrad trafen wir den ersten Fernradler auf der gesamten Strecke. Joachim fährt von Donaueschingen bis nach Israel. Dafür hat er sich 40 Tage Zeit genommen. Nach einigen Satzwechseln war klar, dass wir das letzte Stück bis Belgrad zusammen fahren. Da er noch keine Unterkunft hatte, nahm er sich ein Zimmer im gleichen Hostel. Im Gegensatz zu uns jedoch nur für eine Nacht, da er am nächsten Morgen gleich weiterfahren wollte.

Schon beim Einfahren in die Stadt machte Belgrad einen sympathischen Eindruck auf uns. Die Promenade war voller Menschen, Musikanten und Imbissstände. Restaurants und Bars waren üppig besucht. Auf unserer Erkundungstour am nächsten Tag konnten wir diese Stimmung jedoch nicht nochmal einfangen. Fast alle Geschäfte und Restaurants waren wegen der Osterfeierlichkeiten geschlossen und die Straßen leer.

Etwas erholt machten wir uns auf um über Niš nach Sofia zu radeln. Wir nahmen uns vor diese Strecke innerhalb von drei Tagen zu bewältigen. Absolut machbar, wären während der drei Tage nicht Wind und Wetter unsere ständigen Begleiter gewesen. Nun ist insbesondere Manuel angeschlagen und wir bleiben jetzt zwei Tage in Sofia um uns auszukurieren. Außerdem warten wir immernoch auf besseres Wetter.

Auf unserer gesamten Fahrt durch Serbien haben wir einen sehr guten Eindruck von diesem gastfreundlichen Land bekommen. Viele Leute an denen wir vorbeifuhren winkten und lächelten, oder man wurde freundlich angehupt und gegrüßt. Auch die Straßenverhältnisse und die rücksichtsvolle Fahrweise der Serben können sich sehen lassen. Die Einladung in Novi Sad sollte auch nicht die einzige bleiben.

Mit als Gast in unserem Hostel in Sofia ist seit gestern der Japaner Atsushi Ito, der seit drei Jahren mit seinem Rad unterwegs ist und alle Kontinente mit seinem Rad durchquert. In einem Jahr möchte er in Japan sein. (http://itoatsu.blogspot.com) Wir sind also nur ein ganz kleiner Fisch...

Morgen geht es weiter Richtung Istanbul über Plovdiv und Edirne.

Beste Grüße aus Sofia

Pavel und Manuel

Fahrtenbuch

Datum Route Strecke (Tag) [km] Strecke (gesamt) [km]
17.04 Mohács - Osijek 58,3 1687,0
18.04 Osijek - B. Palanka 106,3 1793,3
19.04 B. Palanka - Belgrad 125,0 1918,3
20.04 Belgrad (Rast) 0,0 1918,3
21.04 Belgrad - Jagodina 129,0 2047,3
22.04 Jagodina - Padov Don 143,5 2190,8
23.04 Padov Don - Sofia 132,1 2322,9
24.04 Sofia (Rast) 0,0 2322,9
25.04 Sofia (Rast) 0,0 2322,9

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Julian |

Top, weiter so! Genießt den sliwowitz ;) und gute Besserung!

Kommentar von W. Dörrenberg |

Hallo Manu, am Montag hatten wir "Sängertreffen Wallis 60." Günter brachte seine Gitarre mit und wir haben alle nochmals "Ich war noch niemals in New York" gesungen und Dich dabei reichlich vermisst. Aber Deine Reiseberichte hören sich so froh und offen an, dass wir völlig glücklich über den bisherigen Verlauf der Reise sind. Genau an dem Wiedersehns tag kamst Du an die Grenze Greece und Ursula schickte Fotos. Hier hläuft alles gut, Christian fliegt gleich zu seiner Familie nach <New York.Euch ALLEN gute Reisen, Deine Walli

Kommentar von Tereza |

Hallo ihr zwei, viele liebsten Grusse, Prag und Liberec folgen jedes Wort, was ihr schreibt. Weiter so, danke fur die spannenden Kommentare! You're something else, you two! Good luck und ahoj! Tereza, Eric, Babet, Stefan, Hana, Mirek und und und...

Kommentar von W. Dörrenberg |

Hallo Manu und Pavel... wo reist Ihr wohl nun nach Istanbul? Ich kam auf die Idee, über Eure Reise zwei Seiten in der "Quecke" zu schreiben, aber Ihr müsst mir dazu Euer OK geben... dann werde ich den Artikel anmelden. Eure Reise ist ja ne Sensation und sollte doch irgendwie festgehalten werden. Na ja, wenn Ihr das mögt, dann gebt mir Bescheid. Für den weiteren Verlauf alles Gute und herzliche Grüße aus Lintorf, Eure Walli