Tadschikistan

von Manuel Waßenberg

Nach einem fünftägigen Aufenthalt im wunderschönen Malikjon B&B inmitten der Altstadt Bucharas, sollte nun wieder das Radfahren auf den Tagesplan kommen. Begleitet wurden wir von Mathieu aus Strasbourg, der sich uns beiden spontan anschloss. Schon nach kurzer Zeit wurde uns jedoch wieder bewusst, wie stark sich Geschwindigkeit, Motivation und Tagesablauf unterscheiden können und wie schwierig es ist, bei solchen Lücken einen für alle akzeptablen Mittelweg zu finden. Letztendlich muss man sagen: entweder man passt zusammen, oder nicht. Mittlerweile haben wir schon so einige Seelen getroffen, die sich (wie auch Mathieu) von ihrem Reisepartner getrennt haben und nun alleine weiter reisen. Wir zwei haben was dies betrifft wohl eine Menge Glück gehabt. Sowohl Mathieu und wir waren uns einig: ab Dushanbe wird getrennt weiter gefahren.

Bereits am ersten Tag sollte östlich von Buchara ein neuer Rekord verbucht werden: 53 °C. Ein Glück, dass hier die Luft im Vergleich zu Deutschland weitaus weniger Feuchtigkeit besitzt, so lässt es sich selbst bei solchen Temperaturen immer noch einigermaßen gut fahren. Das größte Problem dabei ist eigentlich, dass das Wasser - und das braucht man unter solchen Bedingungen in rauen Mengen - bereits nach kurzer Zeit die Umgebungstemperatur annimmt und zu einer ungenießbar heißen Suppe wird, die sich nur mit Überwindung trinken lässt. Dann lieber durchhalten und auf das nächste Magazin hoffen.

Landschaftlich gesehen müssen wir Usbekistan eher zu den unattraktiven Ländern zählen. Mit ein paar wenigen Ausnahmen flach, mit einem ständigen Wechsel zwischen Baumwollfeldern und kargen Steppen. Aber auch sonst wurden wir mit diesem Land nicht besonders warm. Liegt es an dem unnötigen Hotelzwang für Touristen, der überteuerten Pepsi, dem einfallslosen Essen, dem sinnfreien Bürokratiewahn, oder der Touristenabzocke? Vermutlich. Die Magie von 1001 Nacht - verschwunden.

In Dushanbe (der Hauptstadt von Tadschikistan) wurde dann ungeplant erneut eine fünftägige Pause eingelegt. Zu viele vertraute Gesichter, kühle Getränke, Geschichten von missglückten Grenzübertritten und Verdauungspobleme hielten uns fest. Die Stadt selbst ist eher ein Grund um weiter zu fahren. Lange von den Soviets angelegte Alleen mit ein paar (für Zentralasien typischen) Prunkbauten und Autofahrer, die ihren gesamten privaten Frust auf den Straßen ausleben. Irgendwie eine kühle Stadt ohne Herzblut. Nichts was einen länger als nötig hier halten sollte.

Obwohl bei weitem nicht gesund, fuhren wir schließlich los. Unsere Route führte über Kulob zum Panj-Fluss, der gleichzeitig die natürliche Grenze zu Afghanistan darstellt. Da der Fluss auf überwiegender Strecke sehr schmal ist, fährt man nur einen Katzensprung entfernt an kleinen afghanischen Dörfern vorbei, die wie kleine grüne Oasen an den Hängen des sonst sehr trockenen Panj-Tals liegen. Bisher war dieser Abschnitt landschaftlich der beeindruckenste Teil unserer Reise. Man folgt den zahlreichen Windungen des Panj und fast hinter jeder Kurve erwartet eine neue Perspektive auf hohe schneebedeckte Gipfel. Hoffentlich bietet sich in der Zukunft die Möglichkeit auch ohne schlechtes Gewissen die andere Seite des Flusses zu besuchen. Einige Mutige (?) haben wir getroffen.

Einziges Manko an diesem Fleckchen Erde: die katastrophalen Straßen. Viele Radler scheinen gerade deswegen den weiten Weg per Flieger auf sich zu nehmen, um hier tagelang richtig durchgeschüttelt zu werden sowie den Körper und das (nicht geländetaugliche) Rad auf die Probe zu stellen. Wir können dies nicht nachvollziehen. Die mit dem größten Nagel im Hut schieben oder tragen das Rad lieber über kleine Schotterwege, als die schon eh miserablen Hauptstraßen zu nehmen. Das wäre ja zu einfach. Zu Mainstream. Wir sind Mainstream.

Morgen geht es endlich in die Berge. Der eigentliche Pamir-Highway beginnt nämlich hier in Khorugh und führt dann über Murghab ins kirgisische Sary-Tash. Dabei bewegt man sich überwiegend auf Höhen oberhalb von 3500 m. Der höchste Pass wird uns dann auf über 4600 m bringen. Wie wir die Höhe und die schlechte Versorgung auf der Strecke verkraften werden bleibt abzuwarten.

In Sary-Tash wird es dann einige Abschiede geben. Die bereits ein chinesisches Visum haben biegen hier ab, um dann weiter über Kashgar nach Südostasien zu fahren. Wir hingegen werden weiter in Richtung Bishkek fahren und nähern uns dann langsam aber sicher dem Ende unserer Tour.

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Kommentar von Valeska |

Liebe Jungs,
habe gerade die letzten zwei Kapitel Eurer Reise mit einem drei Pfund schweren Atlas auf den Knien verfolgt und bin so recht lebendig nachgereist. Gleich werde ich die markierten Punkte bei Google earth noch einmal plastischer nacharbeiten. Werde Eure inhaltlich wie sprachlich ansprechenden Berichte direkt vermissen und freue mich schon auf Manuels Live-Schilderungen nach der Rückkehr.
Bis dahin und gute Energien für den Rest der Reise!
Valeska