Türkei und Georgien

von Pavel Mann

Der letzte Bericht liegt jetzt ungefähr 1900 km zurück und so wird es wieder Zeit Lebenszeichen von uns zu geben. Wir sind anstrengende, ansehnliche, witzige und lehrreiche Staubspuren gefahren und sind nun sehr glücklich in der georgischen Hauptstadt Tiflis angekommen zu sein und mehrere Tage entspannen zu können.

Mit der Übersetzung auf das asiatische Festland in Istanbul begann sofort der Streckenabschnitt, den wir von vornerein unterschätzt haben. Die ersten 12 Tage waren ein ständiges Auf und Ab und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bis nach Sinop mussten wir etliche Hügel überwinden, die zwischen 150 und 400 meter hoch waren. Diese Höhen haben wir uns nicht weiter dramatisch vorgestellt. Aber da sich die sehr steilen Aufstiege aneinanderreihten, hatten wir das Gefühl uns nicht wirklich vom Fleck zu bewegen.

Durch den Gegenwind - der sich weiterhin als steter Begleiter erwies - konnten wir oftmals nicht einmal die Abfahrten genießen und die steilen Berge nötigten uns, unsere Bremsklötze stark zu verschleißen. Aber all diese Mühe war es wert, denn das Schwarze Meer, das mediterrane Klima und der Ausblick auf das ganze Grün drumherum ließen einigen Frust schnell vergessen.

Größtenteils führte unsere Strecke durch kleinere Orte und Dörfer, hin und wieder eine größere Stadt. Besondere Erwähnung verdienen unter anderem Zonguldak, eventuell das "San Francisco der Türkei", und Amasra.

Kurz hinter zuletzt genannten Ort trafen wir erstmals auf gleichgesinnte Weltenbummler. Erika & Olli haben sich ungefähr die gleiche Route wie wir vorgenommen und seit diesem Tage treffen wir uns sehr oft an den entlegensten Stellen und haben mehrmals gemeinsam kampiert.

Wie schon erwähnt endeten die Aufstiege hinter Sinop und mit dem Beginn des flachen Terrain wurde nur noch Gas gegeben. Teilweise radelten wir 100km am Stück oder stellten uns den Wecker auf 5 Uhr morgens, um verloren geglaubte Zeit aufzuholen und natürlich weil die Motivation zu diesem Zeitpunkt sehr hoch war. Dabei drchfuhren wir Städte wie Samsun, Ordu, Rize (hier wurden wir besonders nass) oder Trabzon. Unser Weg führte uns nicht immer über bestens ausgebildete Straßen, sodass wir unter anderem durch zermatschte Ziegenpfade oder über die baufällige Weinroute (erst in Georgien) fuhren.

Den letzten Tag in der Türkei verbrachten wir in Ardeşen. Dort lernten wir in einem "deutschen" Restaurant (Cafe Berlin) Norbert kennen, der sich mit Rad und Anhänger auf den Weg nach Thailand gemacht hat. Seitdem sind wir bis hier nach Tiflis gemeinsam unterwegs gewesen. Aufgrund des vielen Gesprächstoffes und dem unerwartet gutem Wetter vergingen die Kilometer zur georgischen Grenze wie im Nu.

Dort trafen wir abermals auf Erika und Olli und zusammen fuhren wir nach Batumi um uns einen Tag Pause zu gönnen. Auch mussten wir feststellen, dass wir zu viel Zeit in der Türkei wettgemacht haben und so konnten wir die restlichen Kilometer bis nach Tiflis entspannt angehen (schließlich waren wir zeitlich an unseren Besuch gebunden). In Georgien angekommen hatten wir - abgesehen von Flora und Fauna und der nicht zu entziffernden georgischen Schrift - wieder das Gefühl in Osteuropa angekommen zu sein. Die Verständigung klappt auch endlich wieder, denn hier können die meisten Leute entweder englisch oder russisch. Die letzten 400km von Batumi nach Tiflis gingen rasch vorüber.

Highlight war die Übernachtung in Nigoiti. Unter anderem lernten wir dort Stefan und Kira kennen, die von Kirgisien nach Deutschland radeln. Desweiteren waren wir dort offensichtlich Dorfgespräch, denn es dauerte nicht lang bis ein George nach dem anderem zu unserem Zeltplatz kam, Lagerfeuer entfacht und Wein aus eigener Herstellung serviert wurde. Es war ein herrlicher Abend an den wir uns nicht nur wegen der Kopfschmerzen am nächsten Morgen erinnern werden. In Gori besuchten wir das Stalinmuseum und kamen noch am gleichen Tag hier in Tiflis an.

Neben dem absolut sehenwerten Tiflis, sind der Grund für unseren langen Aufenthalt Besuche aus der Heimat. Den Anfang machten Manuel's Eltern gefolgt von unseren Freundinnen Julia und Christina. Nach mittlerweile 9 Tagen in Tiflis können wir diese schöne und lebendige Stadt nur empfehlen. Morgen geht unsere Reise weiter über den Sevansee nach Yerevan und von dort aus nach Teheran.

Die Reiseberichte sind leider nicht allzu ausführlich, da wir es zu lange hinauszögerten uns hinzusetzen und zu schreiben. In Zukunft geloben wir natürlich Besserung.

Anbei Homepages Gleichgesinnter:

www.reisen-und-fun.de

www.tillontheroad.wordpress.com

www.abkuerzungindiemongolei.blogspot.de

www.silktrails.wordpress.com

Fahrtenbuch

Datum Route Strecke (Tag) [km] Strecke (gesamt) [km]
30.04 Havsa - Seymen 121,7 2837,1
01.05 Seymen - Silivri 15,2 2852,3
02.05 Silivri - İstanbul 86,2 2938,5
03.05 İstanbul  0 2938,5
04.05 İstanbul 0 2938,5
05.05 İstanbul 0 2938,5
06.05 İstanbul 0 2938,5
07.05 İstanbul - Şila 96,8 3035,3
08.05 Şila - Kerpen 65,1 3100,4
09.05 Kerpen - Kardiköy 69,6 3170,0
10.05 Kardiköy - Muslu 125,5 3295,5
11.05 Muslu - Çakraz 90,1 3385,6
12.05 Çakraz - Cide 69,6 3455,2
13.05 Cide - Doganyurt 78,3 3533,5
14.05 Doganyurt - Catalzeytin 83,1 3616,6
15.05 Catalzeytin - Meleksah 110,8 3727,4
16.05 Meleksah - Samsun 161,3 3888,7
17.05 Samsun - Ordu 128,1 4016,8
18.05 Ordu - Akcaabat 162,7 4179,5
19.05 Akcaabat - Ardeşen 144,6 4324,1
20.05 Ardeşen - Batumi 93,8 4417,9
21.05 Batumi (Rast) 0 4417,9
22.05 Batumi - Nigoiti 81,1 4499,0
23.05 Nigoiti - Pirveli Svili 97,7 4596,7
24.05 Pirveli Svili - Khtsisi 99,8 4696,5
25.05 Khtsisi - Tbilisi 134,3 4830,8

VISA

Auch wollten wir die Zeit in Tiflis nutzen, um ein weiteres Visum für unsere Reise zu beantragen.

Ein paar Sätze hierzu: Um über den Landweg nach Indien zu reisen sind einige Visa zu beschaffen. Das erste Land mit Visumpflicht auf unserer Route ist Iran. Das Visum haben wir im Vorraus in Deutschland besorgt und kann nur über eine Agentur und nicht direkt beim Konsulat beantragt werden. Der Kontakt mit "Reisezeit Bochum" (www.reisezeit-bochum.de) war sehr nett und wider Erwarten bekamen wir nach nur wenigen Tagen anstatt eines 30tägigen ein 45tägiges Visum. Das hat uns sehr gefreut, da wir mit einem längeren Aufenthalt in Teheran für die Beantragung weiterer Visa rechnen müssen und 30 Tage knapp bemessen wären. Neben dem Iranvisum wäre die Beantragung weiterer Visa in Deutschland nicht sinnvoll gewesen, da man ab Ausstellung i. d. R. nur drei Monate Zeit hat, um in das jeweilige Land einzureisen.

Ab Iran verlangen alle Länder mit Ausnahme von Kirgisistan Visa, welche je nach Route rechtzeitig besorgt werden müssen. Bisher war geplant das chinesische, uzbekische und turkmenische Visum in Teheran zu beantragen. Als wir jedoch erfuhren, dass sich in Tiflis auch eine chinesische Botschaft befindet, machten wir uns auf das Chinavisum schon in Tiflis zu besorgen. Das hätte unseren Zwangsaufenthalt in Teheran verkürzt. Bei der Botschaft machte sich jedoch Ernüchterung breit: nur Bürger mit einem festen Wohnsitz in Georgien können Visa beantragen. Zusätzlich benötigt man ein offizielles Einladungsschreiben, welches wir ebenfalls nicht hatten. Auch eine Reiseagentur in Tiflis verusuchte ihr Bestes, musste uns jedoch resigniert eine Absage erteilen. Wir werden es daher nochmal in Teheran probieren müssen; dort scheinen die Bestimmungen nicht ganz so streng zu sein. Aktuell scheint hier anstatt einer chinesischen Einladung ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft verlangt zu werden.

Laut unserem Wissensstand können das usbekische und turkmenische Visum in Teheran relativ problemlos besorgt werden. Für Turkmenistan ist für Normalsterbliche jedoch nur ein fünftägiges Transitvisum erhältlich. Wir werden uns daher in Turkmenistan sputen müssen, besonders wenn wir wie angedacht Ashgabat besuchen wollen. Voraussetzung für das Turkmenistan-Visum ist ein vorhandenes Visum für Usbekistan. Da bei der Beantragung eines Visums der Pass bei der Botschaft liegt und damit "blockiert" ist, müssen die Visa nacheinander besorgt werden. Derzeit rechnen wir mit etwa zwei Wochen Aufenthalt in Teheran. Unserer Begeisterung hält sich in Grenzen.

Das pakistanische Visum können wir bei Bedarf nur in Deutschland beantragen. Hierfür werden wir unseren Zweitpass benutzen und diesen nach Visaerteilung - wo immer wir auch gerade sind - zusenden lassen.

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Kommentar von Justus |

Bravo. Schön weiter fahren!

Kommentar von Doerrenberg |

Hi Ihr Radler, da in fernen Landen seid Ihr zumindest vorgestern fröhlicher und sicherer als hier in NRW. Ein flottere Orkan hat 5 altehrwürdige Bäume in unserem Garten zerlegt und Lintorfs Baumbestand erheblich dezimiert. Momo und ich haben eine Windhose beobachtet.Von Georgiern hat Mechthild einiges erzählt. Es freut uns alle, dass Ihr munter seid und danke, Pavel, für den Reisebericht Georgiern und Türkei. Weiter gute Reise, beste Grüße, Eure Walli